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Wer nicht wagt, der nicht verdient

Lars-Thorben Niggehoff
Lars-Thorben Niggehoff
Jan '21

Viele junge Gründer können ihre Pläne nicht selbst finanzieren. Für sie ist Wagniskapital eine wichtige Hilfe. Doch wann sollten sie darauf zurückgreifen? Und was haben die Investoren eigentlich davon?

Die Start-up-Welt ist bevölkert von vielen Idealisten, die davon überzeugt sind, dass ihre Idee die Welt zu einem besseren Ort machen könnte. Bei solchen Überzeugungen wirkt es manchmal fast schon nebensächlich, ob man selbst das Geld hat, um eine solche Idee auch umzusetzen. Doch ohne Investitionen geht es nicht. Neben eigenem Geld und Krediten ist gerade Wagniskapital für Gründer ein wichtiges Finanzierungsinstrument, vor allem, wenn die Geschäftsidee hohes Wachstumspotenzial hat. Doch wer auf Wagniskapital setzt, sollte einige Dinge berücksichtigen. Ein Überblick: 

Was ist Wagniskapital?

Wagniskapital ist eine Finanzierungsform, die jedes Unternehmen nutzen kann. Ein Geldgeber stellt eine Summe zur Verfügung, im Gegenzug erhält er Unternehmensanteile und wird Gesellschafter. Wie viele Anteile er für welche Summe erhält, ist Verhandlungssache und hängt eng mit der Unternehmensbewertung zusammen. Eine Mehrheitsbeteiligung streben allerdings nur die wenigsten Geldgeber an. Im Gegensatz zu anderen Finanzierungsformen, etwa einem Kredit, müssen die Start-up-Gründer das investierte Geld so auch in der Regel nicht zurückzahlen. 

Welche Start-ups brauchen Wagniskapital?

Nicht jedes Start-up muss auf Wagniskapital setzen. Schließlich geben die Gründer mit den Unternehmensanteilen auch einen Teil der Kontrolle über ihre Firma ab. Gerade Firmen, die bereits frühzeitig ein profitables, sich selbst tragendes Geschäftsmodell haben, bekommen auch anderweitig Kapital. Deren Gründer können zum Beispiel klassisch zur Bank gehen.

Für Unternehmen, die noch nicht kreditwürdig sind, ist VC aber unerlässlich. Sie brauchen Kapitalgeber, die von ihrer Idee überzeugt sind und daran glauben, dass sich das Investment mittelfristig lohnt.

Grundsätzlich suchen Wagniskapitalgeber nach Start-ups, deren Geschäftsmodell skalierbar ist, also schnell und exponentiell wächst. Denn nur so können sie mit ihrem eingesetzten Kapital am Ende die gewünschte Rendite erzielen. „Das richtige Timing ist entscheidend dafür, ob eine Geschäftsidee fliegen wird oder nicht“, sagte dazu Wagniskapitalgeber Olaf Jacobi von Capnamic Ventures jüngst im Interview mit „Startbase“. Es gehe darum, genau den Zeitpunkt zu finden, an dem ein Markt explodiere, ansonsten würden die Kosten für den Kapitalgeber deutlich steigen.

Zu welchem Zeitpunkt brauchen Start-ups Wagniskapital?

Wagniskapital kann immer wieder interessant sein. Meist unterscheidet man drei Phasen, in denen Wagniskapitalgeber einsteigen: Die Seed-Phase, die Early-Stage und die Growth-Phase.

Die Seed-Phase liegt oft noch vor der Gründung der eigentlichen Firma. Selbst wenn es noch nicht viel mehr gibt als die Idee, brauchen Firmen schon Geld, etwa um einen Prototypen zu entwickeln. Natürlich ist hier das Risiko für die Geldgeber am höchsten, das heißt, dass sie selbst für kleinere Investments hohe Unternehmensbeteiligungen verlangen werden.

In der Early-Stage-Phase gibt es zumindest ein Produkt, dann geht es darum, Produktionskapazitäten aufzubauen und Kunden zu akquirieren. Hier erwarten Investoren, dass die Unternehmen bereits bewiesen haben, dass ihr Konzept wirtschaftlich funktioniert. Nun soll der Eintritt in den Markt ermöglicht werden. 

In der Growth-Phase geht es dann darum, Wachstum zu generieren, neue Märkte zu erschließen und zu expandieren. In dieser Zeit ist das Risiko für die Investoren zunehmend geringer, schließlich hat das Start-up bereits einige Tests bestanden. Entsprechend können die Gründer bessere Konditionen für sich aushandeln.

Wer sind die Kapitalgeber?

Am bekanntesten sind wohl die Venture-Capital-Fonds, die Geld bei Anlegern einsammeln, um dieses dann in Start-ups zu investieren. Die Fonds haben meist einen klaren Fokus. Der kann auf einer bestimmten Branche liegen, aber auch auf einem bestimmten Zeitpunkt der Unternehmensgeschichte. Manche Fonds investieren vor allem in sehr junge Unternehmen, andere geben vor allem Geld für Expansionsbestrebungen. 

Gerade in der Seed-Phase kann es sich für Gründer auch lohnen, auf einen Business Angel zu setzen. Das sind Geschäftsleute – häufig selbst ehemalige Gründer – die eher kleine Geldbeträge investieren, diese aber sehr früh einsetzen, um eine Idee in Gang zu bringen.

Auch staatliche Programme können helfen. Aktuell gibt es etwa das Programm „Invest“ des Bundeswirtschaftsministeriums, das Zuschüsse zum Wagniskapital ausschüttet. Dafür müssen die Gründer nicht einmal Anteile abgeben. Auch die Förderbanken der Bundesländer stellen Wagniskapital für Start-ups in ihrer Region zur Verfügung, genauso wie die bundesweit aktive Förderbank KfW. Daneben gibt es noch den Hightech-Gründerfonds, der ebenfalls von KfW und Bundeswirtschaftsministerium sowie privaten Partnern finanziert wird.

Mittlerweile sind auch viele große Unternehmen aktiv auf der Suche nach attraktiven Investments. Viele haben dafür eigene Abteilungen gegründet, die sich nur auf die Suche nach Start-ups fokussieren und diese dann unterstützen. Erst jüngst kaufte sich so etwa Bayer beim Start-up Senti Biosciences ein. 

Worauf achten die Kapitalgeber?

Die Anforderungen eines jeden Kapitalgebers sind anders, deswegen sollten die Gründer sich vorher sehr genau überlegen, welcher zu ihnen passt. Auf einige Punkte achten aber die meisten: „Wir haben ein Credo, dem wir schon seit Jahren treu sind, und das umfasst drei Dinge: Team, Timing und Technologie“, sagt etwa VC-Geber Olaf Jacobi.
Besonders das Team sei dabei wichtig, denn viele Start-ups scheitern am Ende an Gründerstreitigkeiten.

Bis tatsächlich Kapital fließt, vergeht einige Zeit. Zunächst werden Verschwiegenheitserklärungen unterschrieben, dann gibt der Investor einen Letter of Intent auf, in dem er sein grundsätzliches Interesse formalisiert. Erst danach klopfen VCs alle finanziellen und rechtlichen Aspekte ab, bevor sie schlussendlich einen Beteiligungsvertrag aufsetzen.

Wann profitieren die Kapitalgeber?

Die Kapitalgeber streben einen Exit an, wollen also ihre Anteile irgendwann mit Gewinn verkaufen. Wann und wie sie das tun, hängt vom Weg des Unternehmens ab. Die meisten planen mit drei bis sieben Jahren, je nachdem, ob sie schon in der Early Stage oder erst in der Wachstumsphase eingestiegen sind. 

Im Idealfall geht das Start-up irgendwann an die Börse, so dass die Investoren ihre Anteile dort handeln können. Alternativ kann auch ein anderes Unternehmen übernehmen und den Kapitalgebern ihre Anteile abkaufen. Manchmal entschließen sich auch die Gründer dazu, ihre Anteile selbst zu erwerben und so die Kontrolle über ihr Unternehmen zurückzugewinnen. 


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